
Eher durchschnittlich - Als alter Verve-Fan musste ich mir natürlich das neue Album zulegen.Doch um es vorweg zu nehmen es ist sehr durchwachsen. Sit and wonder und love is noise, also der 1. und 2. Track des Albums bieten gute Momente, ein starker Start. Danach allerdings wabern die Stücke 3 - 9 so vor sich hin mit wenig Höhepunkten, eher radiotaugliche Kost. Erst der Schlusstrack Appalachian Spring ist wieder ein Highlight.
The Verve - Forth - Gewiss, Richard Ashcroft macht auch als Solist ganz manierliche Platten. Zu seiner ganzen übermenschlichen Größe aber findet der Schlacks nur im Verbund mit Gitarrist Nick McCabe und seiner Band The Verve. Jetzt, elf Jahre nach dem Jahrhundertalbum Urban Hymns, ist es mal wieder so weit. Und man sollte sich von der euphorischen Single Love Is Noise mit ihrem Stadion-Refrain und den Teletubbie-Sounds nicht ins Boxhorn jagen lassen: Forth, wie die zum zweiten Mal wiedervereinte Gruppe ihr viertes Album nennt, ist fast monumental. Die Lieder, die sich vielfach auf sieben, acht Minuten ausdehnen, vereinen in sich alles, was The Verve immer ausmachte. Sie sind großspurig, komplex, rätselhaft, und sphärisch, manchmal Furcht einflößend und meistens ausnehmend prachtvoll.(2 Boni auf dem Vinyl)
Ein im wahrsten Sinn des Wortes ambivalentes Album - Sie waren mal mindesten so groß wie Oasis oder Blur (damals 1997 mit Urban Hymns) - doch nach der Trennung der Band respektive der von Gitarrist Nick Mc Cabe und Egozentriker Richard Ashcroft 1999 blieb nicht mehr viel vom Ruhm.Ashcroft machte ein paar gute und noch mehr mäßige selbstverliebte Songs, doch nach elf Jahren sind sie wieder vereint. Die Gründe können uns egal sein, solange das Ergebnis einigermaßen gute Musik zutage bringt. Und das ist leider das Problem dieses Albums.Haben sich Ashcroft und McCabe früher genial ergänzt, so spielen sie auf Forth oft leider nur nebeneinander daher. Denn zu selten ergänzen sich die beiden wie in den fesselnden Songs wie Columbo oder Noise Epic oder dem tanzbaren (Rave?) Love Is Noise. Denn entweder sind die Songs zu langatmig (Ashcroft?) oder einfach zu lang wie bei einer Jam Session, bei der keiner den Mut hat, endlich auf den Punkt zu kommen.Ein im wahrsten Sinn des Wortes ambivalentes Album, das seine großen Momente besitzt - aber leider zu wenige.
Klasse Album! Punkt. - Ums kurz zu machen: Hier wird tief in die psychedelische Kiste gegriffen und tiefgründige, schaurige und doch herrlich melodiöse, eigenwillige und anspruchsvolle Musik zelebriert, die den Fan von Gruppen wie Porcupine Tree oder Archive begeistern. Aber auch ein Touch Coldplay rundet die Scheibe angenehm ab. Gerade das 8-minütige lärmende Noise Epic ist grandios, ebenso das baladeske Appalachian Springs. Insgesamt ist aber jeder Song melodiös und tiefgründig, daher von den schlechteren Kritiken nicht beirren lassen. Ein Album, welches die nächsten zehn Jahre seine Fans bekommen wird, ich binŽs heute schon! Anerkennung, Richard!
Wolkenreisen - Ich bewerte dieses Album hier als The-Verve-Unkundiger, der bislang nur das Best-Of-Album der Briten besaß. Forth hat große Stärken, aber auch gelegentliche Schwächen:Sit And Wonder ist ein gelungener Opener mit düsterem, entrücktem Groove, der ein wenig an THE CHURCH erinnert. Love Is Noise ist eine schöne Gitarren-Pop-Nummer und als radiotaugliche Single-Auskopplung der ideale Aufhänger, um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen - insgesamt jedoch untypisch auf diesem Album. Rather Be, Judas und I See Houses sind leicht perlende Wolkenreisen, und Appalachian Springs ist als wunderschöne, siebeneinhalbminütige Ballade der für mich überragende Schlusspunkt des Albums.Leider gibt es jedoch auch Hänger, so zuallererst das seltsame Noise Epic, das sehr beliebige Valium Skies oder auch das völlig spannungsarme Columbo. Solche Songs sind mal wieder ein Hinweis darauf, dass ein Album manchmal auch zu lang sein kann.Bis auf eine Ausnahme sind alle Songs zwischen fünfeinhalb und acht Minuten lang. Britpop-Hymnen wie Bittersweet Symphony, Sonnet, Song For Lovers oder Lucky Man sucht man hier vergeblich, dafür finden wir entspannende, manchmal fast psychedelisch anmutende und überwiegend harmonische Klanglandschaften in mittlerem Tempo, die - trotz einiger Durchhänger - good vibrations hinterlassen.