
Ein Zwischending - Ich schließe mich den bisherigen Rezessionen an - Carried to Dust ist irgendwo ein Mittelding zwischen den legendären älteren Alben (insbesondere Black Light) und dem mit Garden Ruins unternommenen Versuch der Annäherung an klassische Rock- und Pop-Formen. Ob man das für gut hält oder nicht, ist wahrscheinlich Geschmackssache. Mir hat es überwiegend gut gefallen - ein Meilenstein der Musikgeschichte ist es sicherlich nicht.
Tex Mex, Mariacchis, Folk - Sie drehen gerade einen Dokumentarfilm über das Leben abseits der Großstädte in Arizona und Südkalifornien und haben noch keine Ahnung welche Musik Sie als Untermalung nehmen werden? Hören Sie hier mal rein, dann haben Sie Sie gefunden.Carried To Dust ist eine sehr schöne Platte und bietet den üblichen Calexico sound - also eine Mischung aus dem Folk von The Band, Ry Cooders Tex mex Mätzchen und dem laid back feeling von J.J. Cale.Am besten funtkionieren Calexico wenn sie diese etwas düsteren atmosphärischen langsamen songs erzählen, dann kommt diese Musik wirklich emotional rüber und nicht nur als geschmacksvolle Untermalungsmusik für den nächsten Kalifornien Urlaub. Gleich 3 wunderbar Stücke gibt es hier in dieser Machart von denen ,Man Made Lake das beste und eines der besten Calexico Stücke überhaupt ist. Auch gut funktionieren die mexikanisch angehauchten songs mit Mariacchi Bläsern - obwohl man hier merkt daß sie große fans von Ry Cooder sind - aber genau die lockern die eher ruhige Grundstimmung des Albums angenehm auf und sind auch toll komponiert. Apropos ruhige Grundstimmung: das bedeutet nicht, daß die songs langweilig oder zäh dahinmäandern, einige songs werden von einer luftigen Leichtigkeit getragen, die verblüfft, bei anderen wird angedeutet wie sich Calexico im Rock Kontext anhören könnten, wie bei dem großartigen Tornado Watch, und Trigger (Revisited) klingt sowieso wie das Filmathema zu einem vergessenen Spaghetti Western.Ein durchaus fesselndes Album also von dem man mit Fug und Recht sagen kann, daß Calexico ihre Sensibilität dafür was ein song braucht perfektioniert haben. So vielfältig wie Ry Cooder auf seinem letzten Album sind sie dann zwar doch nicht, aber dafür viel detailverliebter und noch eine Spur überlegter bei den Arrangements.
Calexico besinnen sich auf alte Stärken - Nach dem ins poppige abgeglittenen Vorgänger Garden Ruin erwarten einen hier wieder die altgewohnten Soundteppiche, geküpft aus Mariachi, mexikanischer Wüstenatmosphäre, Slidegitarren, Schweineorgeln, Vibraphones usw. Joey Burns, Kopf der Band und die Band an sich schaffen es wieder, die Grenze zwischen Californien und Mexico stilsicher in einem Roadmovie einzufangen. Also kann man sich wieder treiben lassen, auf welcher Strasse man auch unterwegs ist.Man muß sich nicht immer neu erfinden. Gelungen!
Angebot zur Versöhnung - Da ich zu den Menschen gehöre, die sich unbesehen jedes Calexico Album zugelegt haben, welches in den letzten Jahren so erschienen ist, muss ich feststellen: Carried to Dust scheint so eine Art Friedensangebot an die Fangemeinde Calexicos zu sein. Nachdem aus Kreisen der eingefleischten Calexico Fans mehr Kritik als Lob für das Vorgängeralbum Garden Ruin zu hören war (ich persönlich fand es auch zum Gähnen), scheint man sich wieder an die Black Light oder Feast of Wire Ära anlehnen zu wollen. Das wird auch schon beim ersten Blick auf das neue Album Cover klar. Das Artwork geht doch eindeutig in die Richtung der beiden angesprochenen Alben. So weit so gut, Friendesangebot angenommen. Es ist ein ganz ordentliches Album geworden. Ich schließe mich an dieser Stelle dem offiziellen Amazon-Rezensentenan: Burns und Covertino covern sich auf Carried to Dust streckenweise sehr intensiv selbst. Insofern ist nicht viel Neues auf dem neuen Longplayer zu entdecken. Sie covern zwar ausgesprochen gut - es gibt einige sehr schöne Melodien (Victor JaraŽs Hands, House of Valparaiso, Two Silver Trees sind meine persönlichen Favouriten) - aber man hat den Eindruck, viele der enthaltenen Ideen schon unter anderem Namen in seiner gut sortierten Calexico-Sammlung stehen zu haben. Fazit: solide Calexico-Kost ohne viel Höhen und Tiefen, auf dem Weg zu neuen Höhen (aber noch nicht wieder ganz oben angekommen). Der Fan wird es sowieso kaufen, der Calexico Neuling sollte zu den oben erwähnten beiden Alben oder der DVD Worlds Drift in greifen. Dort überall ist Calexico in Höchstform zu genießen.
Rückkehr zu bewährtem Sound? - Also gut, man tut sich als eingefleischter Calexicaner gar nicht so leicht, seine Enttäuschung zu verbergen. Aber ich widerspreche der Amazon-Redaktion entschieden, wenn hier behauptet wird, dass mit diesem Album eine Rückkehr zum Wüstensound stattgefunden hätte. Sehnsüchtig weine ich den frühen Tagen dieser Ausnahme-Band nach. Noch immer blitzt hie und da so etwas wie Originalität auf, meistens jedoch versorgt uns Joey Burns mit Faserschmeichlerei im Stile eines Daniel Lanois als Interpret von Weihnachtsliedchen. Zu glatt, rund, angepasst erscheint mir das neue Werk. Keine Gitarrensounds mehr im Stile von Italo-Western, kaum mehr ist die Pedal Steel zu hören und schon gar nicht mehr Ausflüge in den Jazz, mit denen uns Calexico bis zu Feast of Wire gezeigt haben, dass sie gelernte Musiker sind, die weit mehr drauf haben, als das Repertoire von G-F-C-Am-Em-Akkordkombinationen. Daher vergebe ich mich etwas Wehmut nur 3 Sterne und hoffe, dass sie wenigstens noch live jene Spiellaune an den Tag legen, derentwegen ich Calexico lieben gelernt habe.